Wer braucht Resettlement? Flüchtlingsschicksale.
zum Beispiel Irak
„Sie lebt in Horror, in Angst vor weiteren Attacken und fürchtet um ihr Leben.“ Schwester von Nadiye S., eingebürgert in Deutschland
Im November 2006 flieht Nadiye S. aus dem Irak. In Damaskus, Syrien, findet die ausgebildete Ingenieurin zwar zunächst Arbeit und eine Wohnung, aber keinen Schutz. Die allein stehende muslimische Frau aus dem Irak gilt dort als Freiwild. Sie wird vielfach belästigt und eines Tages von mehreren Männern überfallen - in ihrer eigenen Wohnung. Traumatisiert wechselt sie die Wohnung, und wird erneut attackiert. Ihre Anzeige bei der Polizei verläuft im Sand. Frau S. leidet an schweren Depressionen, traut sich allein nicht mehr auf die Straße. Ihr bleibt eine letzte Hoffnung: dass sie nach Deutschland zu ihrer Schwester darf.
Nadiye S. ist eine von hunderttausenden Flüchtlingen in Syrien, die seit 2003 aus dem Irak geflohen sind und dringend Schutz benötigen. Unter ihnen sind verfolgte Minderheiten wie z.B. Christen, Mandäer und Yeziden, Folteropfer, schutzbedürftige Frauen, Kinder, Kranke, Traumatisierte. Bei der Auswahl der 2.500 Flüchtlinge, die 2009 nach Deutschland ausreisen dürfen, ist Nadiye S. bislang nicht dabei.
Quelle: PRO ASYL
zum Beispiel Bhutan
„Als Flüchtling spürt eine ständige Verunsicherung in sich. Du kannst die Depression in den Gesichtern der Flüchtlinge sehen. Zumindest kann ich das für die bhutanesischen Flüchtlinge sagen. Sie haben ihre Anmut verloren. Ich denke, ich sehe so aus.“ Chet Nath
Chet Nath ist Flüchtling aus Bhutan. Er wurde mit seiner Frau und dem vierjährigem Sohn nach 17 Jahren im nepalesischen Exil in den USA aufgenommen.
In den frühen 1990er Jahren begann die „Bhutanisierungspolitik“ und damit die Vertreibung der nepalistämmigen Minderheit in Bhutan. Die Menschen wurden ausgebürgert, verfolgt und aus ihren Häusern vertrieben und aufgefordert, das Land zu verlassen. Verwirrt und verängstigt flohen über 100.000 Bhutanesen in hastig errichtete nepalesische UN-Flüchtlingslager, wo sie mittlerweile seit zwei Jahrzehnten lebten, verpflegt durch Hilfsorganisationen und meist ohne die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen oder zu arbeiten.
zum Beispiel Myanmar
„ Ich möchte Lehrer werden. Ich habe keinen Plan, in welchem Land ich das sein kann, aber ganz sicher nicht in Birma.“ Tway Tway
Tway Tway, von Geburt an querschnittgelähmt, lebt seit zwei Jahren im thailändischen Flüchtlingslager Mae La. Drei Tage lang trugen ihn seine Mutter und Schwester durch den birmanischen Dschungel über die Ostgrenze, nachdem Tway Tways Vater bei einem Militärangriff auf ihr Dorf getötet wurde. Mit internationaler Hilfe erhielt er einen Rollstuhl, und er ist glücklich darüber, im Flüchtlingslager die Schule besuchen zu können. Er hofft darauf, eines Tages ein normales Leben führen zu können.
Seit fast 25 Jahren fliehen Menschen aus der Militärdiktatur Myanmar / Birma vor ethnischer Verfolgung in thailändischen Flüchtlingslager. Dort endet für inzwischen 140.000 Menschen oft jede Perspektive. Zwar werden die einfachsten Bedürfnisse befriedigt, aber die Flüchtlinge dürfen das Lager nicht verlassen. Menschen, die schon im Lager geboren wurden, ziehen inzwischen ihre eigenen Kinder dort groß. Die Frustration ist entsprechend hoch. Vergewaltigungen, häusliche Gewalt und Drogenmissbrauch sind chronische Probleme im Lager. Seit 2004 hat UNHCR 50.000 birmanische Flüchtlinge aus Thailand in Drittstaaten neu angesiedelt. Sie wurden vor allem von der USA aufgenommen, aber auch von Kanada oder Schweden. Deutschland beteiligt sich bislang nicht am UNHCR-Programm.
zum Beispiel Somalia
„Ich habe nicht erwartet, dass ich hier so lange bleiben würde. Ich bin sehr enttäuscht von meinem Land. Es gibt kaum Hoffnung zurückzukehren. Deshalb ist einzige Option, die ich habe, in einem Drittstaat wie USA oder Kanada aufgenommen zu werden.“ Mohammed Noor Hajir
1991 flieht Mohammed Noor Hajir aus Somalia, nach Kriegsausbruch in seiner Heimatregion Gedo. Mit Frau und Tochter erreicht er das Flüchtlingslager Dadaab in Kenia. Ab diesem Zeitpunkt beginnt er auf eine Perspektive zu warten. Er hofft auf eine Neuansiedlung in den USA. Das ist jetzt 28 Jahre her. Von seinen sieben Kinder sind sechs im Lager geboren.
Die drei Flüchtlingslager von Dadaab im Nordosten Kenias gibt es seit nahezu 30 Jahren. Sie wurden 1991 und 1992 als Folge der Flüchtlingskatastrophe nach dem Zusammenbruchs der Regierung von Siad Bare in Somalia errichtet. Aber auch heute werden täglich Flüchtlinge neu im Lager registriert, 7.000 jeden Monat. Hintergrund sind die Sicherheitslage in Somalia, anhaltende Kämpfe mit tausenden Toten und unzähligen Vertriebenen, Dürre und Nahrungsengpässe. Die Lager in Kenia, die vor zwei Dekaden als Unterkunft für 90.000 Menschen geplant waren, bieten inzwischen Obdach für mehr als 285.000 Menschen. Bedingt dadurch entstehen problematische hygienische Verhältnisse, Müllberge, Epidemien. Dies macht die Dadaab-Anlage zum ältesten, größten und überfülltesten Flüchtlingslager der Welt.

